Sascha Lange ist Historiker, der sich auf Jugendkulturen im 20. Jahrhundert spezialisiert hat. Lang hat er an diesem Buch gearbeitet, das just im Ventil Verlag erschienen ist. Aktenforschung, Zeitzeugengespräche, detaillierte Recherche. Herausgekommen ist ein Buch, das uns Lesenden vor Augen führt, wie allumfassend und wuchtig der Führerkult bis in alle Bereiche des Lebens durchgedrungen ist. Bis auf die, die eifrig Gegenwehr geleistet haben.
Die Meute als Begriff ist eine spätere Zuschreibung für Cliquen, die sich außerhalb der Hitlerjugend getroffen haben, eigene Lieder sangen und einen eigenen Dresscode pflegten. Sie bestanden zum Großteil aus Jungs, Mädchen waren aber auch stets Teil des Ganzen, nur halt in geringerer Anzahl. Organisiert waren sie nicht. Die meisten entsprangen zwar bereits bestehenden Freundeskreisen aus den Bünden (pfadfinderähnliche Gruppen). Doch die meisten Kreise trafen sich innerhalb fest gezurrter Straßen, auf Plätzen um bestimmte Wohnsiedlungen oder vor dem immer gleichen Kino. Sie traten entweder erst gar nicht in die HJ ein oder sind später ausgetreten. Sie weigerten sich, die Flaggen zu grüßen, haben kleine Sabotageakte geplant und durchgeführt und wurden auch gezielt verfolgt. In Leipzig fehlte da oftmals das Personal aber viele Jugendliche wurden in Erziehungslager gesteckt, um sie umzupolen. Der Nazi-Staat hatte diese losen Freundeskreise auf dem Schirm. Es wurde natürlich alles sorgsam protokolliert und ihnen wurde das Jugendlichendasein außerhalb der Staatsorganisation so schwer wie möglich gemacht. Im 2. Weltkrieg wurden sie teilweise auch eingezogen und mussten kämpfen. So krank ging es in dieser Diktatur zu.
Doch die allermeisten haben das überlebt. Viele haben ihrer Opposition gefrönt. Einige Geschichten davon hat Sascha Lange so aufbereitet, dass man wirklich kein Leipziger sein muss, um dies zu verstehen. Leipzig hatte seine eigenen Dynamiken, weil es immer schon eine Arbeiterstadt gewesen ist. Vergleiche zu den Edelweißpiraten aus dem Westen sind in groben Zügen zulässig.
Die Geschichte Der Leipziger Meuten ist ein toll aufgearbeitetes Stück Historie über die Jugendkultur. Ein Teil des Lebens während des NS-Regimes, das - so ist zumindest meine Wahrnehmung - wenig Aufmerksamkeit erfährt. Wie wichtig der Widerstand der Jugend heute noch ist, wird insbesondere dann präsent, wenn plötzlich herauskommt, dass mit den Jungadlern eine zwischenzeitlich verbotene Nachfolgeorganisation der HJ im Untergrund wieder aufgetaucht ist.






